

Als intelligente Kniegelenke werden Orthesen-Kniegelenke bezeichnet, welche die anatomischen Kniegelenke in der Standphase sichern und in der Schwungphase zur uneingeschränkten Beugung und Streckung freigeben. Als Intelligent wird in diesem Zusammenhang die Fähigkeit des Orthesen-Kniegelenks bezeichnet, die einzelnen Phasen des Schrittzyklus zu erkennen und individuell zu reagieren. Das kann mechanisch oder elektromechanisch erfolgen.
Intelligente Kniegelenke werden eingesetzt, wenn z.B. eine selbstständige Sicherung des Kniegelenks durch den Patienten aufgrund einer Lähmung nicht möglich oder eingeschränkt ist.
Häufige Indikationen in diesem Zusammenhang sind zum Beispiel:
- Periphere Nervenläsion
- Zustand nach Poliomyelitis
- Querschnittlähmung
- Instabile Knieprothesen
- Zustand nach Apoplex
- Zustand nach schwerem Schädel-Hirntrauma
Funktionsweise
Es gibt drei unterschiedlich funktionierende Systeme, die je nach Indikation und Einsatzgebiet zur Anwendung kommen. Das erste System funktioniert rein mechanisch über einen Kabelzug, der mit dem Knöchelgelenk verbunden ist. Je nach Stellung des Knöchelgelenkes wird über diesen Kabelzug das Kniegelenk gesperrt oder freigegeben. Dieses System ist abhängig von einer Beweglichkeit im Knöchelgelenk.
Bei dem zweiten System ist im Fersenbereich ein Sensor installiert, der bei Druckbelastung das Kniegelenk sperrt. Der Druck auf den Sensor entsteht bei Fersenkontakt zum Boden - also in dem Moment, in dem eine Sicherung des Knies notwendig ist.
In das dritte System ist ein intelligenter Sensor im Oberschenkelteil der Orthese installiert. Der Sensor misst die Position des Beines während des Gehens und schaltet dementsprechend das Kniegelenk.
Alle drei Systeme haben als Zusatzfunktion die Möglichkeit, das Kniegelenk frei zu schalten (z.B. beim Rad fahren) oder dauerhaft zu sperren (z.B. bei Aktivität in unsicherem Gelände).
Vorteile von intelligenten Kniegelenken
Eine Orthese mit einem intelligenten Kniegelenk ist prinzipiell für Patienten mit erhöhtem Mobilitätsbedarf konzipiert. Das Tragen einer intelligenten Orthese kann Kontrakturen und immobilitätsbedingte Gelenkschäden vermeiden. Die Restfunktion der Muskulatur wird angesprochen und somit der Muskelaufbau gefördert. Durch das natürlichere Gehen wird die Gegenseite entlastet und es kommt zu weniger Kompensationsbewegungen des gesamten Körpers. Dadurch wird weniger Energie verbraucht, was die Mobilität des Patienten steigert. |